Assistenzhund: Aufgaben, Ausbildung und Training eines PTBS-Assistenzhundes

Assistenzhund: Aufgaben, Ausbildung und Training eines PTBS-Assistenzhundes - Labrador

Ein Assistenzhund leistet großartige Arbeit. Anders als im Hundesport, wo der Hund zum Vergnügen und zwecks artgerechter Auslastung aktiv ist, haben Assistenzhunde einen Job. Je nach Spezialisierung ist der Hund für seinen Menschen lebenswichtig. Um den Alltag zu bewältigen und gesundheitliche Krisensituationen zu überstehen.

Informationen zu diesem Thema aus erster Hand hat unsere heutige Gastautorin.

 

Über unsere Gastautorin

Aus dem Leben mit einem ausgebildeten Assistenzhund erzählt Marisa. Sie gibt Einblicke in die Arbeit von Labrador Hodor. Welche Aufgaben er übernimmt. Wie er ihr hilft. Und wie die Ausbildung ablief.

Mit ihrem Labrador Hodor ist sie ein tolles Team. Sie haben gemeinsam Spaß an Degility und schon eine Menge erlebt. Davon abgesehen ist Hodor ein geprüfter PTBS-Assistenzhund. Auf Assistenzhund Hodor bloggt sie über ihr Leben mit Hund, über ihre Erkrankung und Erfahrungen.

Assistenzhund: Aufgaben, Ausbildung und Training eines PTBS-Assistenzhundes

Der Assistenzhund – viele verschiedene Einsatzmöglichkeiten

In vielen Ländern wie in Amerika oder Österreich schon längst bekannt, ist der Assistenzhund in Deutschlang noch immer eine Seltenheit. Man kennt vielleicht die Therapiehunde, welche zum Beispiel medizinisches Fachpersonal in der Physiotherapie unterstützen, oder die Blindenführhunde, die sehbehinderte Menschen durch ihren Alltag ‘führen’. So manch einer kennt eventuell sogar noch den Diabetikerwarnhund, der Unter- & Überzuckerung rechtzeitig erkennt und anzeigt. Aber wie schaut es mit den anderen Formen der Assistenzhunde aus? Kaum einem sind sie bekannt.

Dabei gibt es so viele verschiedene ‘Fachrichtungen’, für die man einen solchen Hund ausbilden (lassen) kann. Ich werde hier nur auf die ‘Spezialisierung’ eingehen, auf die mein eigener Hund Hodor ausgebildet wird, dann da weiß ich die Infos wenigstens aus erster Hand. Hodor wird nämlich für mich zum PTBS Assistenzhund ausgebildet.

 

Was bedeutet PTBS?

Bei PTBS handelt es sich hierbei um die Abkürzung für die Diagnose der posttraumatischen Belastungsstörung, in meinem Fall einhergehend mit dissoziativen Bewegungsstörungen, Angsstörungen mit Panikattacken und Depressionen. Von einer posstraumatischen Belastungsstörung hat der ein oder andere vielleicht schon mal etwas gehört, denn im Bezug zu Soldaten ist diese Diagnose des Öfteren geläufig. Bei einer posttraumatischen Belastungsstörung handelt es sich um eine (verzögerte) psychische Reaktion auf ein traumatisches Erlebnis, wie zum Beispiel das Erleben von seelischem, körperlichem und/oder sexuellem Missbrauchs, Folter, Krieg oder dergleichen.

Kurzum heißt es, speziell für mich, dass ich tagtäglich mit Flashbacks (Wiedererleben von früheren Erlebnissen), die Panikattacken und dissoziative Bewegungsstörungen (d.h. Ich erlebe einen Verlust meines natürlichen Körpergefühls, ähnlich wie bei einer Lähmung) hervorrufen, leben muss.

Assistenzhund: Aufgaben, Ausbildung und Training eines PTBS-Assistenzhundes

Vielleicht kann man sich vorstellen, dass Menschen mit solch einer Erkrankung recht eingeschränkt im Alltag sind. Ich zum Beispiel konnte sehr lange nicht ohne Begleitung einkaufen gehen, hatte dennoch spätestens in der Schlange vor der Kasse Panikattacken. Im Bus hatte ich eigentlich ständig Panikattacken, sodass ich Fahrten unterbrechen musste. Shoppen gehen, wie es andere in meinem Alter getan haben, ging bei mir nicht. Auch Konzertbesuche oder Kinoabende waren nicht machbar. Selbst ‘simple’ Cafèbesuche, ein Ding der Unmöglichkeit.

 

Die Aufgaben von Assistenzhund Hodor

In solchen Fällen wie meinem kann da ein speziell ausgebildeter Assistenzhund wahre Wunder bewirken. In meinem Fall wird Hodor ausgebildet, diese Panikattacken und Flashbacks frühzeitig zu erkennen und anzuzeigen. Das funktioniert ganz ähnlich wie bei den Diabetikerwarnhunden oder den Spürhunden der Polizei mittels Geruchserkennung und Erkennen der Veränderung in der Körperspannung. Ein Hund kann das durch seine Wahrnehmung nämlich viel schneller erkennen als wir Menschen.

Dieses Erkennen wird mit einem Signal verknüpft. Bei mir fängt Hodor zum Beispiel an, mich anzustupsen um auf die Situation aufmerksam zu machen. Wenn ich darauf nicht reagiere, wird sein Stupsen zuerst aufdringlicher, bis er anfängt nervös zu ‘jammern’.  Ich weiß also inzwischen genau, wenn mein Hund mich ohne vorheriges Kommando plötzlich anstupst, dass eine Panikattacke im Anflug ist und kann rechtzeitig agieren. Das ist in soweit hilfreich, dass ich viel schneller gegen eine Panik oder einen Flashback handeln kann und somit oft gar nicht mehr in diesen endlos Teufelskreis gerate.

Assistenzhund: Aufgaben, Ausbildung und Training eines PTBS-Assistenzhundes

 

Den Menschen führen statt andersherum

Wenn wir unterwegs sind, hilft mir Hodor in solchen Fällen aus der Situation heraus. Das heißt er bringt mich zum Ausgang, führt mich zu einem Rand oder sucht mir eine Bank, sodass ich aus der Menschenmasse heraus komme. Dort kann ich dann zur Ruhe kommen, mich eventuell hinsetzen und mich neu fokussieren. Gerade wenn meine Beine ihren Dienst versagen ist dieses Führen von Hodor äußerst hilfreich und verhindert, dass ich mich durch die veränderte Körperwahrnehmung durch einen Sturz oder dergleichen verletze. Hodor hat gelernt, meine Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, bis ich wieder vollkommen ‘da bin’. Bei Bedarf bringt er mir meine Notfallmedikamente, wenn ich nicht mehr in der Lage bin, diese selbst zu holen. Wenn er mir dann den Medikamentenbeutel in die Hand gelegt hat, legt er sich auf Kommando komplett auf mich drauf, bis mein Körpergefühl wieder da ist. Das enge Kontaktliegen hilft mir, mich schneller zu beruhigen.

 

Ausbildung und Prüfung für Assistenzhunde

Die Aufgaben eines Assistenzhundes richten sich also ganz danach, was der Betroffene braucht. Viele Assistenzhunde lernen zum Beispiel auch das Licht anzuschalten oder in einen Raum vorzugehen und anzuzeigen, ob sich jemand darin befindet. Durch die Individualität der Aufgaben dauert die Ausbildung zum Assistenzhund dementsprechend unterschiedlich lang. Mir wurde immer gesagt, dass man generell so mit 12-24 Monaten Ausbildungszeit rechnen kann. Je nachdem wie weit der Hund bis dahin auch ist.

Assistenzhund: Aufgaben, Ausbildung und Training eines PTBS-Assistenzhundes

Es ist also wirklich ein hartes und langwieriges Training, welches die Hunde und ihre Halter absolvieren. Hodor und ich sind nun am Ende unserer Ausbildungszeit angekommen. Wir haben im übrigen dafür dann bis zur Prüfung rund 16 Monate benötigt und sind inzwischen ein eingespieltes Team. Er begleitet mich in meinem Alltag, zu Einkäufen und Arztbesuchen. Ich weiß, ich kann mich auf meinen Hund verlassen, selbst wenn mein Kopf und/oder Körper den Geist kurzfristig aufgeben. Und für diesen Gewinn an Lebensqualität lohnt sich allemal der Aufwand dieser intensiven Ausbildung.

 

Mehr Infos zum Thema Assistenzhund

Wer sich genauer mit der Thematik der Assistenzhunde befassen möchte, wendet sich bestenfalls entweder direkt an einen Trainer für Assistenzhunde oder aber an Betroffene, die einen ausgebildeten Hund besitzen. Wir helfen immer gern bei jeden Fragen weiter und vermitteln bei Bedarf an die notwendigen Stellen weiter.

Den Weg von Hodor und mir könnt ihr im Internet verfolgen unter www.assistenzhundhodor.de oder bei Facebook unter dem Namen `Mein Weg aus der Angst mit Hodor`

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