Die beliebtesten Hundesportarten in Deutschland – früher und heute

beliebteste Hundesportarten im DVG - Border Collie und Diagramm - Hundesport Nubi

Pünktlich zum Monatsanfang flatterte bei uns die Vereinszeitschrift vom Deutschen Verband der Gebrauchshundesportvereine e.V. in den Briefkasten. Bereits das Vorwort war spannend: DVG-Vizepräsidentin Christa Bremer stellte die Statistiken zu den beliebtesten Hundesportarten im VDH vor. Wir haben sie uns für dich genauer angeschaut und die Zahlen ausgewertet.

Agility liegt mit fast drei Vierteln unangefochten auf Platz eins der Liste. Der Gebrauchshundesport hat stark abgebaut und wurde mittlerweile vom Rally Obedience überholt. Und das Schlusslicht? Das bildet die wettkampfmäßige Wasserarbeit.

Besonders interessant: die Entwicklung der letzten 12 Jahre. Welche Sportarten sind neu dazugekommen? Was ist besonders beliebt? Wo geht es bergab? Das zeigen wir euch hier.

Border Collie springt über Hindernis beim Agility - Hundesport Nubi
Border Collie springt über Hindernis beim Agility

 

Zu den Zahlen – Quellenangabe

Die Zahlen, auf die wir uns hier beziehen, entnehmen wir dem DVG-Magazin HUNDEsport, Ausgabe 03/19, Juni.

Es handelt sich um gezählte Starts bei Prüfungen im Hundesport, sortiert nach Sparte. Die Werte stammen aus den Jahren 2007 und 2018. Der Weltverband FCI veröffentlicht keine Statistiken, weshalb wir auf die des VDH zurückgreifen.

Der VDH ist der Verband für das Deutsche Hundewesen und der Dachverband der deutschen Rassezucht- und Hundesportvereine. Insgesamt hat er mittlerweile über 650.000 Mitglieder.

 

 

Die beliebtesten Hundesportarten im Diagramm

Wir haben die Zahlen in einem Kreisdiagramm dargestellt.

Diagramm beliebteste Hundesportarten im DVG - Hundesport Nubi

 

 

Agility: unangefochtener Spitzenreiter

Der Löwenanteil der gemeldeten Prüfungen im VDH im Jahr 2018 findet sich im Bereich Agility. Mit 73,53 Prozent nimmt es beinahe drei Viertel der gelaufenen Turniere für sich in Anspruch. Agility ist definitiv der unangefochtene Spitzenreiter und die beliebteste Hundesportart in Deutschland.

 

Woher kommt die große Beliebtheit von Agility?

Für die Beliebtheit dieses Sports gibt es viele Gründe. Der wohl wichtigste ist sicherlich der hohe Spaßfaktor. Agility bietet abwechslungsreiche Bewegung für Mensch und Hund. Trainiert wird üblicherweise im Verein, was obendrauf auch noch nette Gesellschaft bedeutet.

Teilnehmen kann jeder gesunde Hund, unabhängig von Rasse, Größe und genetischer Veranlagung. Turniere sind unterteilt in die Größen mini, midi und maxi. Außerhalb der Winterpause finden sich in eigentlich jeder Landesgruppe an nahezu jedem Wochenende Agility-Veranstaltungen.

Agility ist der beliebteste Hundesport - Hund im Slalom beim Agility - Hundesport Nubi
Agility ist der beliebteste Hundesport: Corgi im Slalom

 

Turnierhundesport und Gebrauchshundesport

Sowohl der Turnierhundesport (THS) als auch der Gebrauchshundesport (IGP) haben in den letzten 12 Jahren deutlich weniger Prüfungsteilnehmer. Waren es 2007 im Bereich THS noch 36.144 Meldungen, so sind es 2018 nur noch 26.996.

Wesentlich drastischer fällt der klassische Gebrauchshundesport nach hinten ab. Im Jahr 2007 waren noch 22,78 Prozent aller Starts im VDH auf Gebrauchshundesportprüfungen. 48.467 waren das an der Zahl. 12 Jahre später hat sich diese Zahl quasi halbiert. Lediglich 23.680 Gebrauchshundesportler nahmen 2018 an Turnieren teil. Das sind 6,29 Prozent, womit diese Sparte zu den Minderheiten gezählt werden kann.

Schäferhund beim Apport im Gebrauchshundesport (IGP) - Hundesport Nubi
Schäferhund beim Apport im Gebrauchshundesport (IGP)

 

Rally Obedience – der Senkrechtstarter

Die aus Amerika stammende Trendsportart Rally Obedience ist noch jung in Deutschland. Und trotzdem wahnsinnig erfolgreich!

Im Jahr 2018 konnten ganze 24.193 Starts auf Turnieren verbucht werden.

 

Weniger Begleithunde als zuvor

Die Begleithundeprüfung (BH) als Basis für jeden weiteren Hundesport verliert mit der Einführung neuer Fun Sportarten an Bedeutung. Während 2007 noch 23.627 angehende Begleithunde geprüft wurden, waren es 2018 nur noch 15.642.

Ein zusätzlicher Grund sind sicherlich auch die zahlreichen Hundeschulen und -trainer. Die bieten Erziehungskurse und Gruppen zum Thema Alltagsgehorsam an. Ganz ohne den sportlichen Ehrgeiz und Leistungsdruck einer Begleithundeprüfung. Die für den Hundesport zwar wichtige Basics vermitteln mag, für den Alltag mit Hund jedoch nur bedingt relevante Inhalte bietet.

Das neue Laufschema für die Begleithundeprüfung zum Ausdrucken - kostenloser Download und Video - Hundesport Nubi - Shop für aktive Hunde

 

Obedience bleibt etwas für Nerds

Das klassische Obedience war noch nie etwas für die breite Masse an Hundehalter. Zu pingelig, zu unspektakulär und schnelle Erfolge gibt es bei den meisten Lektionen auch nicht. Vereine, die Obedience anbieten, gibt es zudem leider nur wenige.

Die “hohe Schule der Unterordnung” hat lediglich einen kleinen Zuwachs an Startern zu verzeichnen. Von 4.356 (2007) ging es rauf auf 6.085 Prüfungsteilnahmen (2018). 

Du willst mehr darüber wissen, wieso Obedience ein “Hundesport für Erbsenzähler” ist, wie die Obi-Sportlerin Kerstin Schubert titelte? Im Blogbeitrag Obedience – Millimeterarbeit mit Hund erfährst du mehr.

 

Flyball, Rettungshundesport und Wasserarbeit

Die Sparten Flyball, Rettungshundesport und Wasserarbeit belegen die letzten drei Plätze im Ranking der beliebtesten Hundesportarten. Ihr Anteil beträgt jeweils unter einem Prozent.

 

Die beliebtesten Hundesportarten – Gewinner und Verlierer

Sieht man sich die Statistik genauer an, erkennt man schnell die Gewinner und Verlierer unter den verschiedenen Hundesportarten.

 

Gewinner Rally Obedience

Von null auf fast 24.000 – Rally Obedience ist der Senkrechtstarter unter den beliebtesten Hundesportarten!

Die Abwandlung vom Obedience in Parcoursform, gemischt mit Übungen aus dem Tricktraining und zur Impulskontrolle, ist auch auf den Hundeplätzen des DVG der Renner. Im Gegensatz zu vielen anderen Hundesportarten, setzt RO keine bestandene Begleithundeprüfung voraus. Beinahe in jeder Stadt findet sich ein Verein oder eine private Hundeschule, die Rally Obedience Training anbietet.

Hinzu kommt die hohe Attraktivität auch für Nichthundesportler. Hunde dürfen während des gesamten Parcours angesprochen werden, Aufgaben sind in der Beginnerklasse leicht zu bewältigen.

Die Einstiegshürden sind also niedrig, bei schnell sichtbaren Erfolgen.

Und der Trendsport wächst weiter. Im April 2019 fand das erste Deutsche Rally Obedience Championat DROC statt. Wir haben den Teilnehmer Tony Kliebisch interviewt und ihn gefragt, was ihn am Rally Obedience so reizt. Seine Antworten, Erfahrungen und Trainingstipps findest du hier: Deutsches Rally Obedience Championat – Tony Kliebisch im Interview.

Deutsches Rally Obedience Championat Tony Kliebisch im Interview bei Hundesport Nubi
Tony Kliebisch und Neo, die am Deutschen Rally Obedience Championat teilgenommen haben.

 

Verlierer Gebrauchshundesport

Am extremsten abwärts ging es mit dem Gebrauchshundesport. Woher kommt diese Entwicklung?

Da können wir nur mutmaßen. Gründe für die schwindende Beliebtheit des IGP-Sports gibt es mehrere.

 

Hoher Trainingsaufwand, Helfermangel und Imageproblem

Es ist ein aufwändiger Hundesport. Bestehend aus den drei Abteilungen Fährte, Unterordnung und Schutzdienst, setzt er einen hohen Trainingsaufwand voraus. Hat man nicht die Zeit oder Lust, mehrfach die Woche intensiv mit seinem Hund zusammen zu arbeiten, ist das Pensum einer Prüfung kaum zu schaffen.

Doch selbst wenn man so trainingsfleißig ist, ist Hundesport immer Teamsport. Wenn man die entsprechende Erfahrung und das Gelände hat, kann man die Bereiche Fährte und Unterordnung notfalls alleine üben.

Spätestens beim Schutzdienst benötigt man jedoch einen Schutzdiensthelfer. Von denen gibt es ohnehin schon nicht viele. Dann aber einen zu finden, bei dem die Chemie stimmt und mit dem sich gut zusammenarbeiten lässt, kann die Suche nach der Nadel im Heuhaufen bedeuten. Mehr über die Entwicklung im Gebrauchshundesport unter Berücksichtigung der anderen Sportarten, findest du in dem Artikel vom Working Dog Magazin: Der Schutzhundesport – ein Auslaufmodell?

Schäferhund liegt im Platz auf einer Wiese - Hundesport Nubi

 

Apropos stimmende Chemie: wohl kein anderer Hundesport ist dermaßen mit Vorurteilen belastet, wie der Gebrauchshundesport.

Obwohl sich die Ausbildungsmethoden mit der Zeit – Gott sei Dank! – gewandelt haben, herrscht in den Köpfen vieler noch das altbackene Klischee vom “scharfgemachten” Schäferhund, der sich nur durch massive Zwangseinwirkung vom brüllenden Herrchen händeln lässt. Dieses Bild verblasst nur langsam und man trifft immer noch auf Menschen, bei denen dieses vielseitige Hobby Argwohn statt Begeisterung auslöst.

Jap, der Gebrauchshundesport hat ein Imageproblem!

 

 

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Die Entwicklung: 2007 bis 2018

Da es vom VDH praktischerweise die Zahlen des Jahres 2007 zum direkten Vergleich gibt, haben wir auch zur Entwicklung der letzten 12 Jahre ein Diagramm erstellt. Die orangefarbenen Balken zeigen das Jahr 2007, die grünen das Jahr 2018.

Diagramm beliebteste Hundesportarten im Vergleich, früher und heute - Hundesport Nubi
Säulendiagramm über die Entwicklung der beliebtesten Hundesportarten im VDH anhand der Prüfungsteilnahmen in den Jahren 2007 und 2018

 

Unser persönliches Fazit

Beliebt ist, was Spaß macht und die breite Masse anspricht. Das ist nicht die schlechteste Entwicklung. Hundesport soll ein Hobby sein, an dem Mensch und Hund Freude haben. Es soll die Gesundheit fördern, die genetische Veranlagung des Hundes fordern und ganz nebenbei für dessen Auslastung sorgen.

Daher überraschten uns die Zahlen zu Rally Obedience und Agility nicht. Ein wenig erstaunt waren wir über den krassen Rückgang des Gebrauchshundesports. Bei genauerer Überlegung verwunderte der dann jedoch gar nicht so sehr. Auch wir kennen Vereine, bei denen trainiert wird, dass einem vom Zusehen schlecht wird. Die die Sparte IGP mittlerweile mangels Helfer gar nicht mehr anbieten. Oder die sich ganz bewusst vermehrt auf Fun Sportarten wie Rally Obedience konzentrieren, da die einen größeren Magnet für zahlende Mitglieder darstellen, als der angestaubte Gebrauchshundesport.

In unserem eigenen Verein sind die Kurse für Agility, Rally Obedience, Mantrailing und Longieren permanent voll. Beim IGP tummelt sich stets die selbe Handvoll Alteingesessener. Und bei der Begleithundegruppe ist schon manch einer wieder enttäuscht nach hause gefahren als er feststellte, dass selbst eine BH einiges an Arbeit mit dem Hund voraussetzt.

Auch dieses Jahr wurden neue Sportarten vom VDH ins Programm aufgenommen, wie beispielsweise Dog Dancing, Treibball, Frisbee und Hoopers. Wir sind gespannt auf die Statistiken der nächsten Jahre und wo die Reise hingeht.

Welcher Hundesport, ist gar nicht so wichtig. Hauptsache, alle Beteiligten haben Freude daran und es wird nicht nur an Turnierteilnahmen, sondern auch an gleichzeitiger Gesunderhaltung des Hundes gearbeitet.

beliebteste Hundesportarten - Border Collie auf Wiese - Hundesport Nubi

Wie siehst du die Entwicklung im Hundesport? Hast du andere Erfahrungen gemacht? Schreib’ uns einen Kommentar!

 

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