Hund “Bleib” beibringen? Wieso ein Auflösekommando besser ist

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Dem Hund “Bleib” beibringen – aber wie? Hier zeigen wir dir, wie unsere Hunde lernen, Kommandos zuverlässig zu halten. Wieso wir statt “Bleib” ein Auflösekommando nutzen. Und wie du das bei deinem Hund spielerisch etablieren kannst und so für mehr Klarheit im Training sorgst.

Betreibst du Hundesport? Dann ist das ein weiterer Grund dafür, dich vom “Bleib” zu verabschieden. Das ist als Hörzeichen in Prüfungen nämlich nicht erlaubt und würde dir nur Punktabzüge bescheren.

 

Dem Hund “Bleib” beibringen

In der Begleithundeprüfung gibt es drei Übungen, bei denen der Hund seine Position halten muss. Bei Sitz und Platz entfernt sich der Hundeführer lediglich 15, beziehungsweise 30 Schritte und ist nach kurzer Zeit wieder bei seinem Hund. In der Ablage jedoch kann es bis zu 15 Minuten dauern, bis das Platz aufgelöst wird.

Das Laufschema (nach der neuen Prüfungsordnung, Stand 2019) kannst du dir hier kostenlos herunterladen und ausdrucken:
Neue Prüfungsordnung IGP 2019 + Laufschema der Begleithundeprüfung zum Ausdrucken

Auch Wollie lernt von Welpe an, Hörzeichen länger einzuhalten. Ein “Bleib” kennt sie jedoch nicht. Wieso?

Hund Bleib beibringen - Auflösekommando - Platz - belgischer Schäferhund auf Wiese - Hundesport Nubi

 

Wieso keiner unserer Hunde “Bleib” kennt – und das gut ist

Wir sind ganz ehrlich: vom “Bleib” sind wir keine Freunde. Keiner unserer Hunde kennt es. Weil es für den Hund oftmals nicht eindeutig ist, wie lange genau er eine Position innehalten soll. Die Anweisung hat für den Hund zwar einen Startpunkt, aber kein Ende. Das hat zur Folge, dass man ständig ein Hörzeichen hinterherschieben muss. Damit für den Vierbeiner klar ist, dass er immer noch an Ort und Stelle verharren soll. “Bleib. Bleiiib. Bleeei-heib!” Na, wer kennt es?

Hat er von Beginn an gelernt, dass Sitz nicht nur den Akt des Hinsetzens bedeutet, sondern auch den des Sitzenbleibens, ist ein “Bleib” überflüssig. Möchtest du mit deinem Hund Prüfungen im Hundesport bestreiten, kostet es dich zudem als Doppelkommando wertvolle Punkte.

Sitz heißt nicht nur “Setz’ dich hin.”. Sondern “Setz’ dich solange hin, bis du ein anderes Signal bekommst.” Für Malinois Wollie eine logische Sache. Dann ist auch das Entfernen des Hundeführers kein Problem.

Übrigens hat sich auch Alina vom Hundeblog EquiCani über das Phänomen vom beschwörenden “Bleib. Bleiiib. Bleeei-heib!” gewundert. Auf ihrem Blog erzählt sie, was sie stattdessen nutzt. Nämlich das gleiche, wie wir: ein Auflösekommando.

Die Münchener Hundetrainerin Sarah Mertes von Frei nach Schnauze ist ebenfalls der Überzeugung, dass ein Auflösekommando Hund und Halter eine Menge Frust erspart.

 

Was ist ein Auflösekommando?

Ein Auflösekommando ist für den Hund das oben erwähnte eindeutige Ende eines Auftrages. Die Information: “Du hast deine Aufgabe beendet und darfst dich jetzt wieder frei bewegen.”

Das Hörzeichen kann lauten “Okay”, “Lauf”, “Los” oder was auch immer dir leicht über die Lippen kommt und kurz ist. Eine Teilnehmerin unserer Begleithundegruppe nutzt das Wort “Frei” zum auflösen.

Wichtig ist lediglich, dass du das Wort für im Training nicht bereits mit einer anderen Aktion belegt hast. Nutzt du beispielsweise im Zughundesport das “Go” als Signal zum Ziehen, würde es deinen Hund als Freigabe verwirren. Mehrsilbige Wörter oder gar ganze Sätze erschweren die Kommunikation zusätzlich.

Das eindeutige Ende eines an den Hund erteilten Auftrags. Für den Hund simpler als ein sich immer wiederholendes “Bleib”.

 

Auflösekommando statt “Bleib” – drei Vorteile

Wir nutzen ein Auflösekommando statt “Bleib” aus der Überzeugung, dem Hund damit das Lernen zu erleichtern. Diese drei Vorteile hat es:

  • klare Kommunikation mit dem Hund: Sitz heißt Sitz. Und der Hund muss nicht verzweifelt versuchen aus unserer Körpersprache herauszulesen, wie lange er Sitz + Bleib dieses Mal einhalten soll. Verlässlichkeit und Berechenbarkeit schaffen Vertrauen.
  • hohe Zuverlässigkeit: mit Hilfe des Auflösekommandos lernt der Hund, eine Position auch ohne “Bleib” so lange innezuhalten, bis er von uns ein anderes Signal erhält. Ganz ohne dass wir beständig ein “Bleib, Bleeeeib” hinterherschieben müssen.
  • kein Punktabzug im Hundesport durch Doppelhörzeichen: für hundesportliche Wettkämpfe sind die Regeln klar. Doppelhörzeichen sind unerwünscht und werden vom Leistungsrichter abgestraft.

 

Eindeutige Kommunikation und hohe Zuverlässigkeit – ein Auflösekommando schafft klare Verhältnisse für deinen Hund.

 

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So lernt dein Hund das Auflösekommando

Deinem Hund das Auflösekommando beizubringen, ist nicht schwer. Zu Beginn gehen wir sehr kleinschrittig vor.

Wenn der Hund sitzt, bestätigen wir ihn in dieser Position – also sitzend – mit Lob und/oder Leckerchen. Damit er lernt, dass sich das Sitzenbleiben lohnt. Das Halten der von uns abgefragten Position.

Gerade zu Beginn wird er nach wenigen Augenblicken aufstehen wollen. Um das selbstständige Auflösen des Hörzeichens zu vermeiden und Korrekturen zu ersparen, geben wir ihn mit dem Auflösekommando frei. Bei Nubi und Wollie ist das ein “Okay”.

Nun hat ein Hund, der das neu lernt, ja noch gar keine Ahnung, was dieses Wort bedeuten soll. Um ihm zu helfen, kann ein Leckerchen fliegen, das er sich holen darf. Oder man selbst gibt ihm körpersprachlich zu verstehen, dass freie Bewegung erlaubt ist. Beispielsweise indem man selbst einige Schritte läuft.

Löst der Hund dennoch selbstständig auf, ist das kein Drama. Ohne Schimpfen oder gar Strafe setzen wir ihn wieder an den Ort zurück, von dem er gekommen ist.

Die Biologin und Verhaltensforscherin Dr. Ute Blaschke-Berthold sagte treffend: „Wer sagt, dass zuverlässiges Verhalten bei diesem oder jenem Hund nicht ohne Strafe erreichbar ist, sagt nichts über den Hund aus, sondern beschreibt erst einmal seine eigenen Fähigkeiten.“. Weitere Sprüche rund um das Hundetraining haben wir in diesem Artikel gesammelt.

 

Wichtig: das richtige Timing bei der Belohnung

Ist das Auflösekommando erstmal etabliert, kann man beginnen, die Zeit auszudehnen in der der Hund “bleiben” soll. Besonders wichtig dabei ist, dass das Halten von Sitz, Platz, oder was auch immer du von deinem Hund möchtest, hochwertiger ist, als das Aufstehen.

Liegt dein Hund minutenlang vorbildlich gerade im Platz und wird dafür nicht oder kaum bestätigt, für das Auflösen schmeißt du jedoch eine riesige Party – rate, was sich für ihn mehr lohnt. Das Liegenbleiben ist es nicht.

In diesem Sinne: viel Spaß und Erfolg beim Training und reichliche Belohnung für das, was deinem Hund am schwersten fällt!

Foto: unsere Malinoishündin Wollie, zu dem Zeitpunkt ein Jahr alt. Kennt kein “Bleib” und bleibt dennoch zuverlässig sitzen, wenn es “Sitz” heißt. Ist ja auch eine logische Sache, findet sie.

 

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19 Idee über “Hund “Bleib” beibringen? Wieso ein Auflösekommando besser ist

  1. Alexander Trocha sagt:

    Sehr gut erklärt. Wir verwenden als Auflösekommando „Fertig“
    Wenn man von Anfang an ohne „Bleib“ arbeitet geht es in Fleisch und Blut über und ist eine echte Erleichterung für den Alltag.

  2. Betty sagt:

    Hallo wir arbeiten mit dem auflösezeichen „ Go“ und das klappt super , sie sitzt und bei Go darf sie aufstehen , so jetzt üben wir das ich mich evtferne , klappt prima wenn ich zurück komme und mit Go auflöse , meine Frage , wenn ich aus der Entfernung auflösen möchte schrei ich dann Go oder hier also das her komm Kommando ????

  3. Sylvia sagt:

    Man kann das BLEIB schon verwenden. Bewußt genutzt im Alltag, um den Unterschied zum Arbeiten zu betonen und nutzen. Aber das ist dann keine Alternative zur Freigabe. Wenn ich zB möchte, daß mein Hund am Wegrand bleibt und wartet, während ich mir die Schuhe binde, dann verwende ich das Kommando. Wozu soll er sich da hinsetzen/legen? Den Fokus bei mir haben? Oder wenn ich unterwegs kurz in der Eisdiele ein Eis hole, wo er nicht mit rein darf. Dann signalisiert BLEIB bei uns ein “ich komm gleich wieder, Du hast Pause”. Oder wenn ich zB beim Wandern den Hund irgendwo an Ort und Stelle “festnageln” möchte, mitsamt dem Gepäck, während ich mich an einer Kreuzung erstmal orientiere. So bleibt er beim Gepäck, darf es sich gemütlich machen, oder herumschnuppern, was er möchte, mit dem Zweithund ne Runde toben – Hauptsache, er bleibt dort. Denn im Alltag und unterwegs brauche ich keinen Fokus auf einem Jackpot oder so. Da möchte ich Ruhe haben, und Entspannung.
    In meinem Bleib ist keine Position enthalten, d.h. Hund darf stehen/sitzen/liegen ganz nach Belieben. Darf sich aber nicht groß weg bewegen. Das ist einfacher, wenn ich zB im Biergarten sitze und mal “ums Eck” gehe. Weil ich von dort aus nicht kontrollieren kann, ob der Hund sitzenbleibt, oder sich hinlegt (kann ja auf Entfernung nicht korrigieren), und er mit einem SITZ-/PLATZ-Kommando nicht mehr die Möglichkeit hätte, Leuten auszuweichen, die vorbei wollen. Mit BLEIB weiß mein Hund, ich komme wieder, und er soll sich nicht entfernen, hat aber die Möglichkeit, fremden Leuten auszuweichen, die ihn anfassen möchten, oder dem Kellner Platz zu machen, der vorbei möchte, ohne daß ich ihn damit in einen Konflikt bringe zwischen Ausweichen und Gehorchen.
    Auch daheim, wenn der Hund sieht, ich ziehe die Schuhe an – sobald der Kopf im Körbchen hochgeht, weil der Hund aufmerksam wird auf meine Vorbereitung, das Haus zu verlassen, sage ich BLEIB, und er weiß, er kann liegenbleiben, ist gerade nicht gefragt, er braucht jetzt nicht aufzuspringen und zur Tür zu rasen, damit er nix verpaßt 🙂
    Oder wenn ich in der Arbeit bin und zu einer Besprechung muß: Hund bekommt ein BLEIB, damit weiß er, er soll einfach in meinem Büro bleiben (das tut er auch, bei offener Türe, auch wenn Kollegen vorbeigehen!), darf sich aber uneingeschränkt bewegen darin. Wenn ich ihn zu SITZ/PLATZ/Körbchen verdonnern würde, müßte er so verharren, bis ich wieder da bin und auflöse. Was ich wiederum nicht kontrollieren/korrigieren könnte.

  4. Sarah sagt:

    Ich habe heute tatsächlich bei unserem Welpen mit bleib angefangen aber der Artikel hier war super hilfreich. Vor allem dass Positionen generell nicht einfach aufgelöst werden sollten ohne „Freigabe“ ist super wichtig. Sieht man sonst ja ständig. Hund hat kein Bock mehr und und man müht sich nur mit weiteren Kommandos ab. Danke!

  5. Manuela schultz sagt:

    Das war sehr hilfreich für mich! Gerade weil es um mali geht. Ich habe gute Tipps hier bekommen die ich versuche umzusetzen. Mein mali läuft mir zumindest in der Wohnung überall hinterher. Wenn er das nicht darf bellt er. Ich hoffe die Übungen helfen ihn und mir jetzt. Danke

  6. Stephanie sagt:

    Beim Laufschema Begleithundeprüfung kann meine Hündin warten, bis ich sie abrufe. (Dauerablage üben wir allerdings noch nicht)Auch im Haus bricht sie das Kommando “auf deinen Platz” nicht selbständig ab und bleibt wirklich sehr lange im Hundebett. Das klappt hervorragend . An der Eingangstür klappt selbiges aber längst nicht so konsequent. Wenn sie raus in den Garten gehen will, möchte ich, dass sie an der Haustüre sitzt, bis ich im Garten die Pforte abgeschlossen habe. Ich lasse sie sitzen, mache die Tür auf, gehe in den Garten , schließe die Pforte. Dann gebe ich das Kommando “frei”. Aber hier löst sie die Situation oft von selbst auf. Warum kann ich mir nicht erklären. Was mache ich da?

    • Mara sagt:

      Hallo Stephanie,
      vielen Dank für deinen Kommentar! 🙂
      Vielleicht hilft es deiner Hündin, einen Schritt im Training zurückzugehen. Du könntest sie an der Tür absetzen, dich Richtung Gartentor bewegen. Bevor sie überhaupt daran denkt, selbst aufzustehen, gehst du zurück und belohnst sie, ohne aufzulösen.
      Das kannst du so lange fortführen, bis sie verinnerlicht hat, dass sich das Sitzenbleiben mehr lohnt, als das Aufstehen.
      Viel Spaß beim Üben,
      Mara

    • Jessica Scheib sagt:

      Hey, wie hast Du deinem Hund denn beigebracht in einem Raum zu bleiben? Wie geht man denn da vor um das beizubringen?
      Meine Letty ist gerade etwas aufmüpfig Ende des Monats wird sie 1 Jahr alt. Sie tendiert im Moment furchtbar dazu jedes komm zu ignorieren.

      Treibt mich in den Wahnsinn.

      Grüße Jessica

  7. Petra Loos sagt:

    Wenn ich meinen Hund Sitz sage und mich von ihm entferne….muss ich dann zu ihm zurück um aufzulösen oder kann ich das auch aus der Ferne auflösen.

    • Mara sagt:

      Hey Petra,
      danke für deinen Kommentar! 🙂
      Wenn dein Hund die Tendenz hat, dir entgegenzulaufen und das “Sitz” selbst aufzulösen, ist es sinnvoll, erst zu ihm zurückzugehen, ihn zu belohnen und dann freizugeben.
      Hat er damit keinerlei Probleme, kannst du das natürlich variieren.
      Viel Spaß beim Training,
      Mara

  8. M.Memmersheim sagt:

    Genau den Fehler habe ich mit meinem kleinen Bolonka gemacht. “BLEEEEEIB!”
    Danke für die Anregung! Werde sofort die Übungen versuchen.
    Weiter mit den Tips!

    • Verena sagt:

      Das Problem kenne ich so gar nicht. Für meine Hündin heißt bleib genau da bleiben wo das Kommando fiel und das tut sie,bis ich es aufheben. War bei all meinen Hunden so. Das gleiche tut sie bei Sitz oder Platz. Warum sollte das auch einen Unterschied machen. Bei keinem der Kommandos weiß der Hund letztlich, wie lange er so bleiben soll.

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