3 Übungen zur Impulskontrolle für deinen Hund

Impulskontrolle beim Hund - 3 Übungen + Anleitung - Hundesport Nubi Blog

Impulskontrolle beim Hund ist wichtig. Egal ob Sporthund oder Familienhund. Deshalb zeigen wir dir unsere drei liebsten Übungen, die sich beim Training bewährt haben.

 

Was ist Impulskontrolle beim Hund?

Impulskontrolle ist die Fähigkeit, einem Reiz nicht affektiv nachzugehen, sondern stattdessen bewusst erlerntes Verhalten zu zeigen.

Für unsere Hunde können solche Reize vielfältig sein. Beispiele sind Futter, geworfenes Spielzeug, Artgenossen und Wild.

 

Wozu Impulskontrolle üben?

Die kurze Antwort lautet: weil sie deinem Hund und dir das Leben einfacher macht.

Impulskontrolle benötigen unsere Hunde alle. Ob sie für die Begleithundeprüfung trainieren, für Alltagsgehorsam, beim Agility oder ihrer ersten IGP-Prüfung.

Die Fähigkeit, nicht auf jeden Reiz im Affekt zu reagieren, ist essentiell. Stell dir vor, du stehst im Supermarkt an der Kasse und vor dir bezahlt eine alte Dame ihren Einkauf in 298 einzelnen Centmünzen. Du bist genervt. Schlägst du sie deshalb KO und drängelst dich vor? Bitte nicht! Weil du Selbstberrschung gelernt hast und nicht jedem kleinsten Trigger nachgehst.

Für unsere Hunde ist es ebenso wichtig.
Beim Hundebesitzer zu bleiben, statt dem Hasen hinterher zu jagen.
Innehalten, bevor der Giftköder am Wegesrand hinuntergeschlungen wird.
Beim Schutzdienst alle fünf Verstecke revieren, statt direkt zum Helfer zu rennen.

Diese Liste könnten wir endlos fortführen.

Impulskontrolle beim Hund - Schäferhund Blickkontakt - 3 Übungen + Anleitung - Hundesport Nubi Blog
Impulskontrolle ist wichtig. Völlig unabhängig von Hunderasse, Hundesport und Alter des Hundes.

 

3 Übungen für mehr Impulskontrolle für deinen Hund

Vielleicht bist du treuer Leser und weißt deshalb, dass Tim und ich nicht nur den Hundesport Nubi-Shop führen. Wir sind auch Trainer im DVG für die Bereiche Basis und Gebrauchshundesport (IGP).

Mit der Zeit haben wir etliche Übungen in unseren “Werkzeugkasten” aufgenommen, die sich im Training mit unseren Gruppen bewährt haben.

Apropos Gruppen: auf Facebook und Instagram wurden wir gebeten, auch gruppentaugliche Ideen mit in diesen Artikel aufzunehmen. Vor allem Übung zwei und drei lassen sich prima auch in größeren Trainingsgruppen umsetzen und immer wieder variieren.

Unsere drei Lieblingsübungen haben wir hier nach Schwierigkeitsgrad sortiert und Schritt für Schritt erklärt. Die erste ist die leichteste. Jede einzelne lässt sich leichter und schwieriger gestalten. Fange immer einfach an und steigere das Level erst, wenn dein Hund verstanden hat, worum es geht.

 

Impulskontrolle Übung 1: Schau mir in die Augen, Kleines

Schritt 1: Nimm ein Leckerchen in jede Hand.

Schritt 2: Lasse deinen Hund vor dir sitzen. Wenn er das nicht mag oder aus gesundheitlichen Gründen nicht kann, geht natürlich auch Platz oder Steh.

Schritt 3: Strecke die Arme aus. Vermutlich wird dein Hund nun nach den Händen mit Futter darin schauen. Das macht nichts – gib ihm ruhig Zeit zum Denken.

Schritt 4: Sobald er dich anschaut, bekommt er sein Futter. Wichtig hierbei ist, dass er wirklich nur dann bestätigt wird, wenn er dich bewusst ansieht.

Schäferhund beim Training - Impulskontrolle beim Hund - 3 Übungen + Anleitung - Hundesport Nubi Blog
Tim hat in jeder Hand ein Leckerchen. Schäferhund Nubi kennt diese Übung bereits und hat schnell Erfolg.

 

Sollte dein Hund an dir hochspringen, bellen, diverse Tricks abspulen, in der Hoffnung, so an die Leckerchen zu gelangen, ist das gar nicht schlimm. Im Gegenteil. Hunde, die selbst ausprobieren und versuchen, Lösungen zu finden, machen eine Menge Spaß im Training. Uns zumindest.

Bleibe dann einfach ruhig. Erst wenn das gewünschte Verhalten gezeigt wird, hat dein Hund Erfolg. Sollte er grob mit dir werden oder etwas tun, was du wirklich auf gar keinen Fall möchtest, bringe ihn ohne zu strafen zurück auf die Ausgangsposition.

 

Was dein Hund lernt

Mit dieser Übung lernt dein Hund, dass der Weg zum Erfolg über dich läuft. Nur über die Orientierung zu dir gelangt er an das Objekt seiner Begierde. Pöbeln und rempeln bringt nichts. Kooperation ist jedoch der Schlüssel zu Lob und Leckerchen.

 

Schwierigkeitsgrad erhöhen

Fällt deinem Hund diese Übung leicht, oder ist er einfach nicht sonderlich an Futter interessiert, kannst du den Schwierigkeitsgrad erhöhen. Dazu kannst beispielsweise zwei Spielzeuge statt Leckerchen nehmen. Wenn die keine große Herausforderung mehr sind, wirf sie doch mal in die Luft und fange sie wieder auf, anstatt sie ruhig zu halten.

Impulskontrolle beim Hund - 3 Übungen + Anleitung - Schäferhund - Hundesport Nubi Blog
Der Gnawt-a-Stick von Ruffwear ist eines von Nubis Lieblingsspielzeugen. Blickkontakt zu Tim herzustellen ist da gar nicht so einfach.

 

Impulskontrolle Übung 2: Position halten trotz Ablenkung

Dieses Spiel setzt voraus, dass dein Hund die jeweilige Position bereits gelernt und verinnerlicht hat.

Gut zu wissen

Mit Positionen sind im Hundesport die so genannten technischen Übungen gemeint. Also Sitz, Platz und Steh. Auch die Grundstellung beim Fußlaufen kann man dazu zählen.

 

Schritt 1: Gib deinem Hund das Hörzeichen zum Sitzen, Stehen, Liegen oder hole ihn in die Grundstellung.

Schritt 2: Lasse eine zweite Person deinen Hund ablenken. Mit Futter, einem gerollten oder gar geworfenen Ball. Geworfenen Leckerchen. Durch Vorbeirennen. Indem der liebste Hundekumpel oder der verhasste Erzfeind vorbei läuft. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt.

Schritt 3: Hält dein Hund die Position ein, belohne ihn. Und zwar angemessen! Wenn der totale Balljunkie vorbildlich sitzen-, stehen- oder liegengeblieben ist, während der Ball an ihm vorbeiflog – dann ist ein Stück Trockenfutter als Belohnung etwas mau. Ein eigener Ball, den du aus der Jacke hervorzauberst, ist schon passender.

Impulskontrolle beim Hund - Schäferhund Unterordnung - 3 Übungen + Anleitung - Hundesport Nubi Blog
Grundstellung halten, obwohl ein Ball vorbeigerollt kommt? Check!

 

Was dein Hund lernt

Bei dieser Übung lernt dein Hund gleich mehrere Dinge.

Einerseits natürlich Selbstbeherrschung. Nicht aufzuspringen, dem Ball hinterherzurennen oder zu dem anderen Hund zu flitzen. Obwohl die Versuchung da ist.

Andererseits lernt er – ganz nebenbei – Gehorsam. Dass ein Sitz wirklich sitzen bedeutet. Und dass es sich richtig lohnt, mit seinem Menschen zusammenzuarbeiten, statt ihn zu ignorieren.

 

Variationen für Gruppen

Wenn du selbst Trainer bist: diese Übung ist auch für Gruppen gut geeignet.

Deine Teilnehmer können sich mit ihren Hunden in einer Reihe aufstellen. Denke daran, den Abstand zwischen den einzelnen Teams groß genug zu wählen, dass nicht der Nachbarshund eine zweite große Ablenkung darstellt. Nun können Reize, wie Futter, an der Reihe vorbeigerolltes oder geworfenes Spielzeug oder vorbeigehende (oder rennende) Hunde gesetzt werden.

Je nach Hundesport kann das variiert werden. Für einen Agility Kurs bietet es sich beispielsweise an, die Hunde in Gruppe Nummer eins ruhig in Position zu halten, während Gruppe Nummer zwei vor deren Augen einen kleinen Hindernisparcours läuft. Und auch hier: angemessen belohnen!

Impulskontrolle beim Hund - Futter und Spielzeug - 3 Übungen + Anleitung - Hundesport Nubi Blog
Das ist nur eine kleine Auswahl an Belohnungen. Was eine Belohnung ist, entscheidet der Hund. Auch Sprünge, schnüffeln oder rennen können als Bestätigung eingesetzt werden.

 

Umsichtig und vorausschauend handeln

Je nachdem, wie viel Impulskontrolle du in der Übungseinheit deinem Hund abverlangst, kann eine Absicherung sinnvoll sein. Dazu reicht eine lange Leine, die du entweder irgendwo sicher befestigst, oder einfach in der Hand hältst. Nur für den Fall, dass ihr den Bogen überspannt und der Hund doch losrennt.

Holt er sich eigenmächtig den Ball, belohnt er sich für seinen Ungehorsam selbst. Was euch im Training zurückwirft. Trainiert ihr aber mit unverträglich Hunden, können die Folgen fatal sein. Also: vorausschauend handeln und den Hund sicherheitshalber anleinen.

 

Impulskontrolle Übung 3: Auf Freigabe warten

Schritt 1: Bringe deinen Hund in eine Position deiner Wahl. Sitz, Platz, Steh oder was sich anbietet.

Schritt 2: Entferne dich. Zunächst wenige Schritte. Wenn du die Übung schwieriger gestalten möchtest, kannst du später sogar außer Sicht gehen.

Schritt 3: Platziere einen Reiz. Beispielsweise ein geworfenes Hundespielzeug, ein an einer langen Leine über den Boden gezogenen Dummy (für die jagdlich ambitionierten Hunde) oder den besten Hundekumpel, mit dem sonst immer wild getobt wird. Auch hier gilt: sei kreativ!

Schritt 4: Gehe zu deinem Hund zurück. Belohne ihn in der Position, in der er bleiben sollte.

Schritt 5: Gib ihn mit einem Auflösekommando frei. Nun darf er sich seinen Ball oder den Dummy holen oder mit seinem Kumpel rennen.

Wenn du nicht weißt, was ein Auflösekommando ist und wie man das übt, schau’ doch mal hier. Da haben wir es erklärt.

Schäferhund mit Ball - Impulskontrolle beim Hund - 3 Übungen + Anleitung - Hundesport Nubi Blog
Yes – endlich gibt es den geliebten Gitterball zur Belohnung!

 

Was dein Hund lernt

Ebenso wie bei der vorigen Übung lernt dein Hund Selbstbeherrschung. Und zwar auch dann, wenn du nicht direkt daneben stehst.

Das ist natürlich nichts für Junghunde oder Hunde, die noch ganz am Anfang sind im Training. Zur Absicherung kannst du auch hier deinen Hund anleinen. Am besten am Geschirr, nicht am Halsband. Die Halswirbelsäule wird es danken, falls der Hund doch einmal losrennt.

 

 

 

Was die Impulskontrolle beeinflusst

Anzunehmen, dass man mit genügend Training aus jedem Hund ein Musterbeispiel der Selbstbeherrschung machen kann, ist Quatsch. Ein Hund ist keine leere Leinwand, auf der man nach Belieben herummalen kann für das gewünschte Endergebnis.

 

Impulskontrolle und Genetik

Jeder Hund ist anders und viele Faktoren beeinflussen die Fähigkeit, sich zurückzunehmen. Wie sehr ein Hund für verschiedene Arten von Reizen empfänglich ist, legen unter anderem die Gene fest.

Hütehunden, wie Border Collie und Australian Shepherd, liegt das Interesse an Bewegungsreizen im Blut. Nicht nur Schafe triggern das über viele Jahre durch Zucht selektierte Verhalten. Auch Jogger, herumrennende Kinder, Autos… dir fallen bestimmt noch einige Beispiele ein, oder?

Gebrauchshunderassen haben ein wahnsinnig hohes Interesse an Beute in die Wiege gelegt bekommen. Die meisten Deutschen Schäferhunde, Malinois, Rottweiler und Co stürzen sich bereits im Welpenalter auf Bälle und Zerrspielzeug. Hetzen, packen, sichern – das ist das Höchste für diese Hunde.

Jagdhunde hingegen haben einen tief verankerten Jagdtrieb. Der über Sichtung von Wild oder über Gerüche ausgelöst werden kann.

Und bestimmt kennst du das Klischee vom verfressenen Labrador. Der mit unstillbarer Gier alles verschlingt, was ihm vor die Nase kommt. Auch das liegt vielen Retrievern in den Genen. Für einen Labrador sind Übungen zur Impulskontrolle oft schwieriger, wenn es um Futter geht.

Ausnahmen bestätigen – wie so häufig – die Regel.

 

Womit wir beim Fotoshooting trainiert haben (und was unsere Hunde sonst noch echt toll finden):

 

Die genetische Disposition heißt nicht, dass diese Hunde nicht trainierbar sind. Aber bitte bedenke immer: was dem einen Hund leicht fällt, kann den anderen wahnsinnige Beherrschung kosten.

Bitte versuche nicht, die genetischen Anlagen deines Hundes wegzutrainieren. Einerseits, weil das gar nicht möglich ist. Und andererseits: wieso kauft man sich einen Ferrari, wenn man Angst vor Geschwindigkeit hat? Richtig fahren lernen und Spaß haben ist doch viel lustiger.

Also freue dich lieber über das, was dein Hund mitbringt. Lenke es in die richtigen Bahnen und lerne die Begeisterungsfähigkeit deines Hundes zu schätzen und zu händeln.

 

Krankheiten beeinflussen die Impulskontrolle

Die Impulskontrolle beim Hund kann auch von Krankheiten beeinflusst werden. Manche Ausprägungen der Schilddrüsenunterfunktion sorgen für Dünnnervigkeit. Das Aushalten von Reizen ist für solche Hunde je nach Diagnose schwierig bis unmöglich.

Schmerzen nagen ebenfalls an den nervlichen Reserven. Das ist bei Hunden nicht anders, als bei uns Menschen. Sie können Auslöser von Aggression und Unbeherrschtheit sein, obwohl der Hund doch sonst immer ganz brav war.

Auch Veränderungen im Gehirn, beispielsweise durch einen Tumor, ändern das Hundeverhalten nachhaltig.

Wir sind keine Tierärzte und können deshalb hier nur kleine Denkanstöße geben. Wenn du den Eindruck hast, dass dein Hund “explosiv” ist ohne ersichtlichen Grund, besuche bitte einen spezialisierten Tierarzt. Gesundheitliche Probleme sollten ausgeschlossen werden. Der Gesundheit deines Hundes zuliebe. Aber auch, um dir und deinem Hund Stress, Frust und Verzweiflung über scheinbare Lernresistenz zu ersparen.

 

Impulskontrolle bei unseren eigenen Hunden

Nubi ist ein sehr gelassener Hund. Dennoch – typisch Schäferhund – ist er wahnsinnig beutemotiviert und auch wild herumrennende Hunde sind für ihn eine Herausforderung. Obwohl er von klein auf gelernt hat, dass nicht jeder geworfene Ball seiner ist und er spielende Hunde nicht zusammentreiben braucht, fällt es ihm schwer.

Deshalb sind Übung Nummer zwei und drei immer wieder Bestandteil seines Trainings. Obwohl er mittlerweile schon sechs Jahre alt ist. Und manchmal platzt ihm trotzdem der Kragen. Dann steht er am Zaun vom Hundeplatz und brüllt voller Frust und Aufregung die tobenden Junghunde an, dass einem die Ohren klingeln. Da hilft nur: ruhig bleiben und ihn aus der Situation hinausnehmen.

Auch unser Azubi, Malinois Wollie, ist kein von Haus aus jederzeit tiefenentspannter Hund. Für ihre Beute würde sie Wände raufgehen. Deshalb stehen die oben vorgestellten Übungen von Welpe an auf ihren Stundenplan.

Momentan lernt sie vor dem Helfer im Schutzdienst in die Unterordnung zu wechseln. Obwohl da doch dieser blöde Kerl im Anzug steht, der ihren geliebten Ärmel hat! Sich abwenden und mit dem Hörzeichen Fuß mit Blickkontakt zum Hundeführer von ihm wegzulaufen fordert gehörige Selbstbeherrschung.

Impulskontrolle beim Hund - Schäferhund - 3 Übungen + Anleitung - Hundesport Nubi Blog

 

Mehr zum Thema Impulskontrolle im Netz

Hundetrainerin Sarah Both von Bothshunde eräutert den Unterschied zwischen Impulskontrolle und Frustrationstoleranz. Und gibt dem Leser Tipps, wie Erstere im Alltag geübt werden kann.

Auch Trainerin Bettina Haas beschäftigt sich auf ihrem Blog mit dem Thema.

Florian und Yvonne vom Hundeblog Labrador Laika berichten darüber, wie ihre Labradorhündin Selbstbeherrschung lernt.

 

Was ist für deinen Hund die größte Herausforderung?
Trainierst du Impulskontrolle?
Wenn ja, was sind deine liebsten Übungen?

 

Mehr Leseswertes für dich:

5 Idee über “3 Übungen zur Impulskontrolle für deinen Hund

    • Mara sagt:

      Hey Haro,
      wir haben gerade auf Instagram geschaut – klasse macht ihr das!
      Ja, das Thema geht häufig unter. Vor allem, was für eine große Rolle die genetische Veranlagung dabei spielt.
      Liebe Grüße und viel Spaß beim Training,
      Mara

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